Cities XL 2011 im Test – SimCity-Nachfolger lernt laufen

Der 5. November 2011 wird für Freunde der Aufbausimulationen in guter Erinnerung bleiben. An diesem Freitag kam Cities XL 2011 auf den Markt und konnte eindrucksvoll die Schwächen des Vorgängers Cities XL ausbügeln. Besonderes Schmankerl, 2011 gab es für Besitzer von Cities XL „1“ zum halben Preis. Doch der Reihe nach.

Cities XL gehört zu den Städtebau-Simulationen und sollte der inoffizielle Nachfolger der beliebten SimCity-Reihe werden. Jene hielt bis Dato die Genrekrone inne. Offiziell war Cities XL eine Fortsetzung der City-Life-Reihe. Eine eigene Entwicklung aus dem Hause Monte Christo, welche mit einer komplexeren Einwohner-Simulation als SimCity punktete. Doch die Spielbalance und Möglichkeiten waren zu jener Zeit sehr beschränkt. Die Nachfolge trat dann Cities XL an. Dieses Spiel war als Multiplayer-Game konzipiert und in Form von DLCs und dem Zwang zum Handel treiben zwischen Städten auf Internetspiel getrimmt. Problematisch war jedoch, dass die Nutzung des „Planetenangebots“ mit Kosten verbunden war und sich so langsam die Bevölkerung des Online-Planeten zurückbildete. Cities XL 1 war tot. Negativ fiel zudem der fehlende ÖPNV-Part auf. Zwar konnte man das Bussysteme per DLC nachkaufen, dies war jedoch noch nicht richtig ausgereift.

Die Wende kam 2011 mit Cities XL 2011. Grafisch hatte sich nicht viel zum Vorgänger verändert, jedoch wurden alle DLC-Pakete, welche für Teil 1 erschienen waren in die aktuelle Version integriert und der Handel mit eignen Offline-Städten gestattet. Die Symbiose schien auf den ersten Blick gelungen und ein würdiger Nachfolger für SimCity 4 scheint gefunden zu sein. Doch ist es wirklich so einfach?

Ja, es ist. Und das mit Nachdruck. Die Vorteile überwiegen bei weitem die Kritikpunkte.

Das Handelssystem

Der Handel in Cities XL wird mit einem kleinen, etwas versteckten Fenster, welches im Hauptmenü zu finden ist, initiiert. Dabei wählt man seine Partnerstadt und hat kann dann auf einen Blick sehen was den beiden Städten fehlt und welche Produkte/Rohstoffe exportiert werden können.

Dabei spielen auch die Verkehrswegekapazitäten eine große Rolle. Ein Ausbau der Autobahn, Hafen und Flughäfen ist früher oder später unausweichlich, denn der Zwang zum Handeln ist immer noch gegeben und ist diesmal sogar dem Spielspaß dienlich. Man muss Ressourcenschonend und sehr zukunftsorientiert planen, sowie einmal verkauften Überschuss konstant oben halten, auch bei steigender Nachfrage, um den daraus resultierenden Cashflow am Laufen zu halten.

Minimal fällt dabei die Penetranz des Nachrichtenfensters auf, welches auf schwindende Einnahmen in einem solchen Fall hinweist. Dies hätte dezenter gelöst werden können.

Auch der Austausch von Passagieren ist nun steuerbar. So können Sie einer Nachbarstadt, welche Schwierigkeiten hat, hochqualifizierte Arbeitskräfte anzusiedeln, entsprechende Transportkapazitäten wie Flughafen vorausgesetzt, solche beschaffen.

Somit stellen kleine verträumte Bergdörfer mit schmalen Gassen und Autobahnanbindung im Tal ohne großer Industrie oder Bürokomplexen keine Utopie mehr dar.

Das Transportsystem

Positiv fällt nun auch die Implementierung der diversen Verkehrssysteme wie Autobahn, Buslinien und U-Bahn auf. Erste sind in einer größeren Stadt unumgänglich und bieten auf Grund einfachen Brückenbaumanagments interessante Konstruktionsmöglichkeiten und Verkehrskapazitäten zur Außenwelt – zu enormen Unterhaltskosten.

Die Buslinien werden per einfachen Drag and Drop gezogen, dabei wird immer der kürzeste Weg zwischen zwei Bushaltestellen eingeschlagen. Sehr schön ist die Lösung, das bis auf die Endhaltestelle, dem Busdepot, keine weiteren Gebäude zu einer Buslinie gebaut werden müssen. Das Stadtbild bleibt so unbelastet und homogen. Leider müssen weitere Buslinien durch das erneute Platzieren eines Busdepots auf das vorhandene geplant werden. Hier wäre es für die Intuitive Handhabung besser gewesen, wenn es im Depot einen Button gegeben hätte, aber dies ist eher unwesentlich. Stärker fällt dabei ins Gewicht, dass die Statistiken zum ÖPNV in Cities XL sehr spartanisch ausgefallen sind. Man sieht den Grad der Auslastung und die Kosten. Mehr kann man nicht einsehen. Hier wäre es wünschenswert gewesen, zumindest Informationen zu den Nutzern des Bussystems zu bekommen, um dieses dann an die jeweilige Gruppe auszurichten.

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Das Städtebauen

Der Bau der Städte geht subjektiv wesentlich flüssiger und homogener von der Hand als im Vorgänger Cities XL 1. Straßenzüge können einfacher geplant werden und die automatische Begrünung bracher Flächen funktioniert nun wesentlich zuverlässiger. Die Städte wirken dadurch sehr natürlich und es ist dem Planer überlassen, ob er ein Schachbrett-Moloch nach Vorbild von Manhattan zaubern möchte, oder ein verträumtes Dörfchen mit verschlungenen Straßenzügen und geräumiger Landwirtschaft. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Einzig die Straßenbreite sorgt für Missgunst beim Spieler. Während im Vorgänger mehrere Straßenarten auf einer bestimmten Feldbreite untergebracht waren, haben nun fast alle Typen eine eigene Breite. Dies führt selbst bei kleineren Ausbauten zwangsläufig dazu, dass ein ganzes Gebiet dem Erdboden gleich gemacht werden muss. Hier Lagen die Stärken eindeutig beim Vorgänger. Einzig das Definieren von Einbahnstraßen läuft noch nach dem Ein-Klick-Schema.

Das Bevölkerungsmanagment von Cities XL

Die Makrosteuerung der Bedürfnisbefriedung für die jeweiligen Bevölkerungsgruppen geht erstaunlich einfach von der Hand. Dabei ist der Prozess, allen sozialen Schichten genügend Freizeit und Arbeitsmöglichkeiten zu bieten kein einfaches Unterfangen, sorgt jedoch zu einem positiven Druck und angemessenen Schwierigkeitsgrad. Wichtig ist jedoch immer, dass sie die Grundlegenden Bedürfnisse der jeweiligen Gruppe im Auge behalten und immer für genug Kraftstoff sorgen.

Öffentliche Einrichtungen gibt es ebenfalls zu Hauf und die dabei gelegten Informationen über Anwendungsgebiet, Kosten und Effizienz sind mehr als ausreichend und helfen auch dem Genre-Fremden informativ weiter. Hier gibt es keinerlei Beanstandungen zu vermelden.

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Das Leid der Performance

Im Gegenzug zum Vorgänger konnte Cities XL 2011 mehrere Klassen an Geschwindigkeitsboost zulegen. Zwar bricht auch hier die Spielgeschwindigkeit bei sehr großen Karten enorm ein, dies ist jedoch dem Speichermanagment geschulten und könnte bei einer effizienteren Ausnutzung des vorhanden Arbeitsspeichers verbessert werden. Dieser Effekt lässt sich jedoch durch Beenden und erneutes Starten ein wenig reduzieren.

Wiederspielwert von Cities XL 2011

Wie jede bessere Städtebausimulation gehört auch Cities XL zu den zyklischen Spielen. Das heißt, man hat eine gewisse Zeit, in der man nahezu süchtig ist. Nach dieser Sucht stellt sich eine Übersättigung ein und man rührt das Spiel nicht an, um nach einiger Zeit wieder in den letargen Status zurückzufallen. Ein kurzes anspielen für 10 Minuten gibt es bei diesem Spiel nicht. Sollte man sich einmal festgesessen haben kann man mit Cities XL 2011 Stunden verbringen. Auf Grund der diversen Klimazonen, Rohstoffverteilungen und topografischen Gegebenheiten ist auch rege Abwechslung gegeben und keine Stadt wird so wie eine andere werden. Jede noch so kleine Manipulation der Ökonomie hat in Cities XL auswirken und sorgt hinten heraus für enorme Veränderungen in Planung und Stadtbild.

Die Sehenswürdigkeiten

Das I-Tüpfelchen bieten in Cities XL die Sehenswürdigkeiten. Liebevoll inszeniert und extrem teuer in Anschaffung und Unterhalt können diese Gebäude jeder Stadt eine Seele einhauchen. Egal ob Sie ihren eigenen Zuckerhut nachbilden oder Ihre Stadt von chinesischen Festungen umschließen lassen, das Stadtbild kann damit nachhaltig geprägt werden und sorgen für das Gewisse Etwas.

Im Großen und Ganzen ist Cities XL ein Spiel für alle verdursteten Genreliebhaber und solche, die es werden wollen. Wer auf schnelle Action alá Call of Duty Black Ops steht ist bei diesem Spiel an der falschen Stelle. Wenn Ihnen jedoch SimCity 4 zugesagt hat, werden Sie Cities XL lieben. Ein würdiger Nachfolger des Cities XL-Vorgänger und hätte vom Umfang her eher den Namen Cities XL Deluxe Edition verdient.

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